winter camp

Ein regnerischer Freitag Vormittag, tief im Hunsrück. Der Wind zehrt an den Bäumen und treibt Regenschwaden in die Gesichter der ersten eintreffenden Teilnehmer. Drei Tage wird das Seminar dauern, geleitet von Avi Moyal und Amnon Darsa, beide extra aus Israel angereist um als Vertreter des Global Instructor Teams der IKMF Techniken und Taktiken des Krav Maga zu unterrichten. Die Seminarteilnehmer kommen aus München, Nürnberg, Berlin, Dortmund, Gelsenkirchen, Düsseldorf, Köln, Bonn, Aachen und auch aus Holland, erwartungsvoll streben sie zum Haupthaus des Bungalowparks, um sich anzumelden und die Schlüssel für die Unterkünfte zu empfangen.

Nach dem Mittagessen stellen sich Amnon und Avi kurz vor, danach wird das Tagesprogramm besprochen. Zuerst Indoortraining in der Tennishalle des Geländes, nach dem Abendessen Wassertraining im Schwimmbadareal. Durch den Regen, entlang eines am See gelegenen Weges und über eine steile Treppe den Hang hinauf, zieht die mit Trainingstaschen bepackte Gruppe Richtung Tennisanlage, zur ersten Krav Maga Einheit des Tages.

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One line!“. Über den grünen Filzboden der Halle laufen über 50 Personen in die entgegen gesetzte Richtung von Avi Moyal und bilden eine Linie. „Hands“ – Die Reihe legt die Hände an die Seite der Hosen, auf das Kommando „Keda“ erfolgt die Verbeugung. Es geht los. Das warm up hat es in sich, Avi verwendet eine beliebte Übung für Ausdauertests von Sondereinheiten, Sprints auf Zeit, immer hin und her. Nach kurzer Zeit sind die Teilnehmer deutlich aufgewärmt und bereit für das Techniktraining. Avi erläutert outside-defenses gegen Schläge und Messerangriffe, Amnon erweitert das Repertoire um eine Technik, die den Angreifer deutlich vom Verteidiger entfernt. Dieser hat jetzt die Möglichkeit, den Gefahrenbereich zu verlassen. Amnon verdeutlicht, dass im Krav Maga nicht „geflüchtet“ wird. Der vorher bekannte Begriff „tactical retreat- taktischer Rückzug“ wurde inzwischen erweitert, um den negativen Beiklang des Wortes Flucht zu relativieren. Mit einem Grinsen wendet er sich an die Teilnehmer: “Improve your position backwards“ – Verbessert eure Position auf den rückwärtigen Bereich. Für den Laien mag es wie Flucht aussehen, der Taktiker erkennt den feinen mentalen Unterschied.

amnon darsa   

Elemente aus dem Bereich Third Party Protection runden das Programm ab, Ziel ist es, eine zu schützende Person gegen Schläge und Messerangriffe zu verteidigen und aus dem Gefahrenbereich zu entfernen. Neben den Abwehrtechniken liegt der Fokus auf dem Drehen und Steuern einer Person. Um die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Krav Maga zu demonstrieren, verlagert Avi das Training in die Bodenlage, hier müssen die Verteidiger Tritte zum Kopf oder Oberkörper abwehren, kontrolliert aufstehen und dabei Gegenangriffe ausführen.

 

Nachdem die erste Trainingseinheit beendet ist, geht es geschlossen zum Abendessen. Ein 3-Gänge-Buffet mit verschiedener Auswahl von Fleisch und Fisch sowie diversen Beilagen, Salatbuffet und Süßspeisen stehen zur Verfügung, um die verlorene Energie wieder aufzutanken. Und Energie ist gefragt, da im Anschluss noch ein dreieinhalbstündiges Schwimmbadseminar ansteht.

 krav maga drowningDas Schwimmbadareal ist für andere Besucher zu dieser Uhrzeit gesperrt, so dass zwei Becken und eine Gegenstromanlage genutzt werden können. Avi lässt die Trainierenden für das warm up Tauch- und Kommunikationstechniken von Marinekommandos ausprobieren, kurz danach kämpfen sich Zweierteams im Slowfight durch das Wasser. Verteidigung gegen versuchtes Ertränken aus verschiedenen Positionen sorgen dafür, dass die ersten Schlucke Schwimmbadwasser in den Magen vereinzelter Personen finden, bald haben alle rotgeränderte Augen und einen leichten Grauschleier über der Sicht. Würgetechniken und die Abwehr im Wasser sowie Angriffe mit dem Messer fordern im Seminarverlauf Kraft und Ausdauer aller Beteiligten. Als Grundproblem stellt sich hier, dass eine schnelle Fortbewegung vom Angreifer bei einer Bedrohung in kurzer Distanz nicht möglich ist, das heißt es muss entwaffnet werden. Amnon demonstriert mit einem Grinsen, was notwendig ist, wenn der Angreifer unter Wasser das Messer nicht loslassen will, „drown him a little bit more, let him drink some water!“. Prustend taucht sein Demonstrationspartner auf, auch er ist überzeugt. „If you stress me, I’ll stress you more!“, ist der lakonische Kommentar des Instructors. Wie bei jeder Krav Maga Technik ist der Hintergrund, möglichst unbeschadet aus einer Konfrontation herauszukommen, mit allen Mitteln die dazu notwendig sind sich selbst oder andere vor körperlichen Schäden zu schützen. Bei einem bewaffneten Angriff im Wasser muss man daher etwas rigider agieren, um sich im Anschluss aus der Gefahrenlage entfernen zu können.

 

knife   fight

Der Groundfight im Wasser stellt sich ebenfalls etwas schwierig dar, mit den von Avi gezeigten Techniken ist es aber möglich, dem Gegner den Boden unter den Füßen wegzuziehen und selbst wieder an die Oberfläche zu kommen. Wieder und wieder verschwinden mit einem Aufplumpsen Köpfe unter Wasser oder tauchen prustend auf, um direkt mit Gegenangriffen empfangen zu werden. Amnons drown-and-punch Demonstration sorgt für allgemeines Gelächter, an den Haaren zieht er den Angreifer aus dem Wasser, schlägt zu, drückt ihn wieder in das Wasser um das Ganze zu wiederholen.

Die Gegenstromanlage beansprucht noch einmal alle Kräfte, eine Gruppe kämpft sich gegen die Flussrichtung durch das Wasser, die zweite Gruppe treibt ihr geschlossen entgegen und versucht sie am Durchqueren zu hindern, im nachfolgenden Handgemenge treiben einige entkräftete Personen mit dem Strom zurück ins Becken. Um 23:30 beenden Avi und Amnon den ersten Tag, alle streben in Richtung Bett um nach 7,5 Stunden Training ein wenig auszuruhen.

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